Klasse Judith Samen: „Utopiekollisionen“

Gruppenausstellung des Studiengangs künstlerische Fotografie an der Kunsthochschule Mainz

10.11.2022 -  05.03.2023

Hetty Holm: „o. T.“ (2021)
Hetty Holm: „o. T.“ (2021)

Im Ausstellungsjahr 2022/23 liegen beide Sonderausstellungen in der Verantwortung der Düsseldorfer Künstlerin Judith Samen. Sie ist nicht nur Fotografin, Modell, Komparsin und Bildnerin ihrer eigenen Werke, sondern seit 2011 auch Professorin für Künstlerische Fotografie der Kunsthochschule Mainz an der Johannes Gutenberg Universität. Auf ihre beeindruckenden Einzelausstellung im Fleischermuseum „Vom Rohen kosten“ (Künstlerische Fotografie, Installationen und Malerei) mit neuen und älteren Arbeiten von April bis Oktober 2022 folgt nun „UTOPIEKOLLISIONEN“, eine von Judith Samen entwickelte und erarbeitete Gruppenausstellung mit 15 ehemaligen und aktuellen Studierende, die sich selbst im Netz und anderswo als @klassejudithsamen präsentiert

Was gibt es zu sehen? Ganz einfach gesagt: Fotografien, Videoarbeiten oder Installationen - Vieles und Verschiedenstes. 15 heterogene, subjektive, eigenständige und überaus bunte diverse Auseinandersetzungen zu den großen unbeantworteten Zukunftsfragen unserer Zeit.

Doch wie bringt man 15 künstlerische Positionen kontextuell zusammen? Die Möglichkeit, im Deutschen Fleischermuseum auszustellen, forderte die Klasse zu einer vertieften Auseinandersetzung mit politischen und ethischen Fragen vor dem Hintergrund von Fleischkonsum und damit verbundenen kulturellen Traditionen auf: In der heutigen Zeit großer unbeantworteten Zukunftsfragen müssen wir einen Weg finden als Gemeinschaft, als zusammengefundene Kraft zu agieren. Jede der in der Ausstellung vertretenen Positionen findet andere Ansatzpunkte zum Umgang mit der durch Pandemie, Krieg, Klimawandel oder Verlust gesellschaftlichen Zusammenhalts aufgekommenen Hilflosigkeit. Und andererseits ergeben sich durch neue Situationen auch neue Möglichkeiten, Hoffnungen und Wünschen für das eigene Leben und die eigene Umwelt. Ob Fotografien, Videoarbeiten oder Installationen: Künstlerische Arbeiten können sowohl in die Vergangenheit, in die Zukunft, als auch ins Jetzt verweisen. Die historischen Räumlichkeiten des schrägsten Hauses der Stadt mit ihrer sehr eigenen Formsprache bieten Anlass zur künstlerischen Konfrontation: Neue Ideen, neue Bilder zu generieren; Utopien zu entwickeln als Entwurf alternativen zukünftigen Seins; die eigene Wahrnehmung prüfen und immer wieder neu justieren. Die Vielseitigkeiten der verschiedenen Werke der 15 KünstlerInnen stehen miteinander oder gegeneinander und formen sich doch zu einem gemeinsamen Vielklang. Visionen in Form künstlerischer Werke sind hierbei jedoch keine konkreten Vorschläge oder Handlungsoptionen zur Weltrettung. Im Gegenteil: Es macht Kunst aus, dass es eben nicht immer Antworten gibt, die man mit dem Kopf versteht. So war es Ziel dieser Ausstellung, jede der vertretenen individuellen Utopien miteinander kollidieren und am Ende zu einer Einheit zusammenwachsen zu lassen. In ihrer Vielseitigkeit gehen diese Visionen miteinander, gegeneinander, konfrontativ. Die Arbeiten eröffnen Denkräume und regen zum weiter-überlegen an.

Eben genau so: UTOPIEKOLLISIONEN.

Nur ein paar wenige Beispiele für in der Ausstellung angesprochene Themen: Hetty Holm präsentiert Menschen mit ihren Haustieren an den Orten, an denen diese zusammenleben. Isabelle Faragallah nimmt als Ausgangspunkt ihre Arbeit einen Krankenhausaufenthalt in lebensbedrohlichem Zustand des Jahres 2021. Die Bilderwelt von Lorenz Alexander Kerkhoff speist sich aus konkreten und realen Begegnungen mit dem von ihm durchwanderten Stadtraum. In den performativen Inszenierungen vor ihrer Kamera entstehen bei Grit Reiss Fusionen von Körpern und einfachen Materialien, die berühren, irritieren und eines zweiten Blicks bedürfen. Roberto Antonio Salazar Hoogland thematisiert Menschenhandel. In ihren Selbstporträts wirft Laura Walker einen voyeuristischen Blick auf sich selbst und zeigt ihre merkwürdige Liebesbeziehung zu unmöglichem Kitsch.

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